Fatuma hat im medizinischen Zentrum ihr Kind gesund zur Welt gebracht.

 

Risikofaktor: Schwangerschaft und Geburt

Viele Stunden zu Fuß, manchmal auch Tage, brauchen schwangere Frauen aus den ländlichen Gebieten Tigrays, bis sie Endaselassie erreichen, wenn sie medizinische Hilfe benötigen. Sie leben weit verstreut in Dörfern oder kleinen Hofgemeinschaften, fern ab von den wenigen Hauptstraßen, und so passiert es immer wieder, dass Risikofaktoren in der Schwangerschaft nicht erkannt werden und es bei Geburtskomplikationen viel zu oft keine Hilfe für Mutter und Kind gibt.

Hochschwangere Frauen und Neugeborene sind besonders häufig von den Versorgungsdefiziten der Region betroffen. Hohe Geburtenraten (auf jede Mutter in gebärfähigem Alter kommen durchschnittlich 5,9 Kinder) und schlechter allgemeiner Gesundheits- und Ernährungszustand gehen einher mit gravierenden gesundheitlichen Risiken aufgrund von Frühverheiratungen und Teenagerschwangerschaften, Genitalverstümmelungen, nicht fachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen sowie der zunehmenden Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten einschließlich HIV/Aids. Das sind Risiken, die durch das Fehlen erreichbarer Mutter-Kind-Einrichtungen während der Schwangerschaft und unter der Geburt schnell lebensbedrohlich werden können.

kinder unserer welt hat deshalb in der Region um Endaselassie ein ambulantes Netz aufgebaut, das auch abgelegene Gegenden erreicht. Hier werden schwangere Frauen regelmäßig von medizinischen Fachkräften untersucht, so dass sie bei zu erwartenden Geburtskomplikationen rechtzeitig nach Endaselassie in das medizinische Zentrum überwiesen werden können. Seit Jahren werden auch die in den Dörfern arbeitenden traditionellen Hebammen regelmäßig im kinder unserer welt-Zentrum geschult, um die Versorgung der Mütter und Kinder bei Hausgeburten zu verbessern.

Diese Maßnahmen tragen inzwischen reiche Früchte. Vor- und Nachsorgeuntersuchungen gehören für die meisten Frauen heute zum Standard, Schwangerschafts- und Geburtsrisiken werden früher erkannt und die Frauen können in der Regel bei Geburtskomplikationen rechtzeitig nach Endaselassie ins medizinische Zentrum gebracht werden. Die Zahl der Frauen, die zu einer „sicheren“ Entbindung ins Zentrum kommen, hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren stark erhöht – mit der Folge, dass die bisherigen Entbindungsräume aus allen Nähten platzten und deshalb eine separate Entbindungsstation gebaut wurde.

Elke Brachmann

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